Ein normaler Kfz-Schutzbrief klingt zunächst beruhigend: Bei einer Panne kommt Hilfe, und falls das Auto nicht repariert werden kann, wird es abgeschleppt. Der entscheidende Haken steckt jedoch im Abschleppziel. Viele preiswerte Schutzbriefe transportieren das Fahrzeug lediglich zur nächsten geeigneten Fachwerkstatt.
Wer auf der Autobahn weit entfernt vom Wohnort liegen bleibt, kann dadurch bei einer unbekannten Werkstatt landen. Genau für diesen Fall kann sich ein zusätzlicher Schutz mit freier Wahl des Abschleppziels lohnen.
Der Unterschied: nächste Werkstatt oder Wunschadresse
Beim Schutzbrief von AdmiralDirekt wird das nicht mehr fahrbereite Fahrzeug grundsätzlich zur nächsten Fachwerkstatt gebracht. Ruft der Versicherte sofort AdmiralDirekt an und lässt den Einsatz durch den Versicherer organisieren, werden die Abschleppkosten ohne feste Obergrenze übernommen.
Eine freie Wahl des Abschleppziels ist in den Bedingungen jedoch nicht zugesichert. Das Auto muss deshalb nicht zur eigenen Werkstatt oder nach Hause gebracht werden.
Für eine Autobahnpanne bedeutet das beispielsweise:
- Panne zwischen Burg und Magdeburg
- Abschleppen zur nächsten geeigneten Werkstatt
- keine garantierte Beförderung zur Werkstatt am Wohnort
- mögliche zusätzliche Transport- oder Abholkosten
- Abhängigkeit von einer unbekannten Werkstatt
Ein Schutzbrief erfüllt damit zwar seine Aufgabe als Pannenhilfe, löst aber nicht automatisch das Problem der unerwünschten Werkstattwahl.
Welcher Tarif bringt das Auto zur Wunschadresse?
Beim ADAC Premium besteht in Deutschland ein Anspruch auf unmittelbares Abschleppen vom Schadenort zu einer maximal 100 Kilometer Luftlinie entfernten Wunschwerkstatt. Alternativ darf ein anderer gewünschter Ort in gleicher Entfernung gewählt werden.
Damit kann auch die eigene Wohnadresse gemeint sein. Sie muss allerdings innerhalb des erlaubten Radius von 100 Kilometern Luftlinie um den Pannenort liegen.
Das ist ein wesentlicher Unterschied zu einem einfachen Schutzbrief:
| Leistung | AdmiralDirekt-Schutzbrief | ADAC Premium |
|---|---|---|
| Pannenhilfe auf der Autobahn | Ja | Ja |
| Abschleppen | Ja | Ja |
| Freie Wunschwerkstatt | Nein, nicht zugesichert | Ja |
| Wunschadresse möglich | Nein, nicht zugesichert | Ja |
| Maximale Entfernung zur Wunschadresse | – | 100 km Luftlinie |
| Jahresbeitrag | ab 9 Euro | ab 139 Euro |
Reichen 100 Kilometer bis nach Hause?
Das hängt von den regelmäßig gefahrenen Strecken ab.
Liegt die Wohnadresse innerhalb von 100 Kilometern Luftlinie vom Pannenort entfernt, kann das Auto beim ADAC Premium unmittelbar dorthin gebracht werden. Die tatsächliche Straßenstrecke darf dabei länger sein, denn laut Bedingungen zählt die Luftlinie.
Beträgt die Entfernung nach Hause beispielsweise 150 oder 300 Kilometer, besteht kein Anspruch darauf, dass das Fahrzeug sofort über diese gesamte Strecke zur Wohnadresse abgeschleppt wird.
Dann gilt ein anderer Ablauf:
- Das Auto wird zunächst am Pannenort aufgenommen.
- Es kommt gegebenenfalls zu einer Werkstatt oder einem Einstellplatz.
- Kann es in Deutschland auch am Tag nach der Panne nicht repariert werden und liegt kein Totalschaden vor, ist beim ADAC Plus und Premium ein späterer Fahrzeugtransport zu einer Reparaturwerkstatt am Wohnort möglich.
Das ist allerdings kein sofortiges Abschleppen zur Haustür, sondern ein späterer Fahrzeugrücktransport unter festgelegten Voraussetzungen.
Was kostet ein selbst bezahlter Transport?
Ein Abschleppdienst kostet für eine kurze Strecke häufig bereits etwa 120 bis 200 Euro. Zusätzliche Kilometer werden gesondert berechnet. Ein Transport über rund 100 Kilometer kann mehr als 500 Euro kosten. Nacht-, Wochenend- und Autobahnzuschläge können den Betrag weiter erhöhen.
Die ADAC-Premium-Mitgliedschaft kostet derzeit ab 139 Euro im Jahr. Gegenüber einem einfachen AdmiralDirekt-Schutzbrief ab 9 Euro beträgt der zusätzliche Aufwand ungefähr 130 Euro jährlich.
Rein rechnerisch ergibt sich:
- 130 Euro Mehrkosten pro Jahr
- 520 Euro Mehrkosten innerhalb von vier Jahren
- 1.300 Euro Mehrkosten innerhalb von zehn Jahren
Eine selbst bezahlte Abschleppfahrt über eine größere Entfernung kann ungefähr so viel kosten wie drei bis vier Jahre ADAC Premium. Wer dagegen nur einmal in zehn Jahren liegen bleibt, bezahlt über die Mitgliedsbeiträge wahrscheinlich mehr als für einen einzelnen selbst organisierten Transport.
Ab wann lohnt sich der zusätzliche Schutz?
Der zusätzliche Tarif lohnt sich, wenn mindestens einer der folgenden Punkte erfüllt ist:
1. Die Wunschadresse liegt meistens innerhalb von 100 Kilometern
Wer sich überwiegend in einem Radius von 100 Kilometern um den Wohnort bewegt, kann das Auto bei einer Panne direkt nach Hause oder zur eigenen Werkstatt bringen lassen.
Für diesen Einsatzbereich passt der ADAC-Premium-Tarif besonders gut.
2. Das Fahrzeug ist älter oder bereits auffällig
Bei einem älteren Auto mit bekannten technischen Schwächen steigt das Risiko einer Panne. Wenn innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre mit einer größeren Panne gerechnet werden muss, kann sich der Aufpreis bereits durch einen einzigen längeren Abschleppvorgang rechnen.
3. Eine unbekannte Werkstatt soll unbedingt vermieden werden
Der finanzielle Vorteil besteht nicht nur in den gesparten Abschleppkosten. Das Fahrzeug kommt zu einer vertrauten Werkstatt, die Preise und bisherige Reparaturen kennt.
Eine einzige vermiedene überteuerte oder unnötige Reparatur kann den Mitgliedsbeitrag mehrerer Jahre ausgleichen.
4. Das Geld für einen spontanen Transport fehlt
Auch wenn ein selbst bezahlter Abschleppdienst langfristig günstiger sein könnte, müssen im Notfall möglicherweise mehrere Hundert Euro sofort aufgebracht werden. Der zusätzliche Schutz verteilt dieses Risiko auf einen festen Jahresbeitrag.
5. Das Fahrzeug wird regelmäßig auf Autobahnen bewegt
Wer häufig zwischen verschiedenen Städten fährt, hat ein höheres Risiko, nicht in der Nähe seiner Stammwerkstatt liegen zu bleiben. Dann besitzt die freie Wahl des Abschleppziels einen höheren praktischen Wert als bei einem Fahrzeug, das fast ausschließlich innerorts genutzt wird.
Wann lohnt sich ADAC Premium nicht?
Der zusätzliche Schutz lohnt sich eher nicht, wenn:
- das Auto nur selten bewegt wird,
- das Fahrzeug neu und technisch zuverlässig ist,
- eine Herstellergarantie mit ausreichender Mobilitätsgarantie besteht,
- die nächste Fachwerkstatt als Abschleppziel akzeptiert wird,
- genügend Geld für einen seltenen privaten Fahrzeugtransport zurückgelegt werden kann,
- die typischen Fahrten mehr als 100 Kilometer vom Wohnort entfernt stattfinden und deshalb die Wunschadresse ohnehin außerhalb des Sofortradius liegt.
Wer nur alle zehn Jahre eine entsprechende Panne erwartet, zahlt rund 1.300 Euro mehr als für einen einfachen Schutzbrief. In diesem Fall kann eine Rücklage für den selbst bezahlten Transport wirtschaftlicher sein.
Die Einsatzbegrenzung beachten
Beim ADAC ist die kostenlose Clubleistung nicht unbegrenzt nutzbar. Bei mehr als vier Pannen pro Jahr ist die weitere Hilfe nicht mehr kostenlos. Auch wiederholte Einsätze wegen derselben nicht beseitigten Ursache können berechnet werden.
Der Tarif eignet sich daher nicht dazu, ein dauerhaft defektes Auto wiederholt transportieren zu lassen.
Fazit
Ein zusätzlicher Schutz wie ADAC Premium lohnt sich nicht allein deshalb, weil ein Abschleppdienst enthalten ist. Diese Leistung bietet bereits ein preiswerter Kfz-Schutzbrief.
Der entscheidende Mehrwert ist das Abschleppen von der Autobahn zu einer selbst gewählten Adresse innerhalb von 100 Kilometern Luftlinie.
Finanziell wird der Zusatzschutz interessant, wenn ungefähr alle drei bis vier Jahre mit einer längeren Abschleppfahrt zu rechnen ist. Er kann sich aber schon bei einer einzigen Panne auszahlen, wenn dadurch eine unbekannte Werkstatt, eine überteuerte Reparatur oder ein späterer privater Fahrzeugtransport vermieden wird.
Liegt der Wohnort regelmäßig mehr als 100 Kilometer vom Pannenort entfernt, löst auch ADAC Premium das Problem nicht vollständig: Dann ist kein sofortiger Transport bis nach Hause garantiert. In diesem Fall greift nur unter bestimmten Voraussetzungen der spätere Fahrzeugrücktransport zu einer Werkstatt am Wohnort.