Wer sein Auto überprüfen lassen möchte, steht vor einem Problem: Eine Werkstatt verdient an den Reparaturen, die sie selbst empfiehlt. Dadurch lässt sich für den Fahrzeughalter nur schwer beurteilen, welche Arbeiten wirklich notwendig sind und welche lediglich vorsorglich angeboten werden.
Eine unabhängige Prüfstelle von TÜV, DEKRA, GTÜ oder KÜS erscheint deshalb als sinnvolle Alternative. Dort werden keine Reparaturen verkauft. Ganz kostenlos ist diese Kontrolle jedoch nicht. Eine reguläre Hauptuntersuchung einschließlich Abgasuntersuchung kostet inzwischen deutlich über 150 Euro. Als kostenloser oder besonders billiger Fahrzeugcheck kann die HU daher nicht bezeichnet werden.
Was kostet eine Hauptuntersuchung?
Die Preise unterscheiden sich je nach Bundesland, Fahrzeugart und Prüforganisation. Als konkrete Beispiele nennt TÜV NORD für das Jahr 2026:
- Nordrhein-Westfalen: 169,90 Euro für einen Pkw bis 3,5 Tonnen einschließlich Untersuchung des Abgasverhaltens
- Niedersachsen: 167,90 Euro für einen Pkw bis 3,5 Tonnen einschließlich Untersuchung des Abgasverhaltens
- HU ohne Abgasuntersuchung beziehungsweise mit bereits vorliegendem AU-Nachweis: jeweils 110,90 Euro
Besteht das Fahrzeug die HU wegen erheblicher Mängel nicht, entstehen zusätzliche Kosten für die Nachuntersuchung. Bei TÜV NORD liegen diese je nach Umfang beispielsweise bei 24 oder 42 Euro. Wird der reguläre HU-Termin um mehr als zwei Monate überschritten, erhöht sich das Entgelt für die erweiterte Untersuchung um 20 Prozent.
Damit können sich die reinen Prüfkosten bei einer nicht bestandenen HU auf über 190 oder sogar über 210 Euro summieren. Die anschließenden Reparaturen sind darin noch nicht enthalten.
Die Hauptuntersuchung ist also neutral, aber keineswegs kostenlos.
Wann die HU trotzdem wirtschaftlich sinnvoll ist
Entscheidend ist, ob die Hauptuntersuchung ohnehin bald fällig ist.
Muss das Auto in den nächsten Wochen oder Monaten sowieso zur HU, entstehen die rund 150 bis 170 Euro nicht zusätzlich. Der Fahrzeughalter muss diesen Betrag ohnehin bezahlen. In diesem Fall kann die direkte Fahrt zu einer eigenständigen Prüfstelle eine wirtschaftlich sinnvolle Alternative zur vorherigen Werkstattdurchsicht sein.
Statt zunächst eine Werkstatt für einen „TÜV-Check“ zu bezahlen, fährt man direkt zu TÜV, DEKRA, GTÜ oder KÜS. Der Prüfer kontrolliert das Fahrzeug und erstellt bei vorhandenen Mängeln einen schriftlichen Bericht.
Mit diesem Prüfbericht kann der Fahrzeughalter anschließend mehrere Reparaturangebote einholen. Die Werkstatt erhält dann einen klar begrenzten Auftrag: Es sollen genau die festgestellten Mängel beseitigt werden. Dadurch sinkt das Risiko, dass zusätzlich zahlreiche vorsorgliche oder nicht dringend notwendige Arbeiten verkauft werden.
Wann eine HU als Fahrzeugcheck zu teuer ist
Ist die nächste Hauptuntersuchung erst in einem Jahr oder noch später fällig, sieht die Rechnung anders aus. Dann müsste der Fahrzeughalter rund 150 bis 170 Euro nur für eine zusätzliche Prüfung bezahlen.
Außerdem ist eine vorgezogene HU nicht einfach ein unverbindlicher Test. Wird die amtliche Hauptuntersuchung durchgeführt, beginnt der neue Prüfzeitraum grundsätzlich mit dieser Untersuchung. Wer deutlich vor dem eigentlichen Fälligkeitstermin zur HU fährt, kann deshalb einen Teil des noch vorhandenen Prüfzeitraums verlieren.
In diesem Fall ist eine zusätzliche HU meistens nicht die preiswerteste Lösung. Sinnvoller ist ein freiwilliger Sicherheitscheck mit vorher vereinbartem Festpreis.
Bei der Terminvereinbarung sollte ausdrücklich gesagt werden:
„Ich möchte keine vorgezogene Hauptuntersuchung, sondern einen freiwilligen Sicherheitscheck. Bitte nennen Sie mir vorher den vollständigen Preis und den genauen Prüfumfang.“
So wird verhindert, dass versehentlich eine amtliche HU beauftragt wird.
Was prüft die Hauptuntersuchung?
Die Hauptuntersuchung kontrolliert vor allem die Verkehrssicherheit und Vorschriftsmäßigkeit des Fahrzeugs. Untersucht werden unter anderem:
- Bremsanlage und Bremswirkung
- Lenkung und Lenkgelenke
- Achsen, Federn und Fahrwerk
- Stoßdämpfer
- Reifen und Räder
- Beleuchtung
- Sicherheitsgurte und Kontrollleuchten
- tragende Karosserieteile
- sicherheitsrelevanter Rost
- Unterboden und sichtbare Undichtigkeiten
- Abgasanlage und Abgasverhalten
- Scheiben, Spiegel und Scheibenwischer
TÜV NORD spricht von mehr als 150 Sicherheits- und Umweltkriterien, die im Rahmen einer HU berücksichtigt werden.
Damit eignet sich die HU gut, um gefährliche Mängel an Bremsen, Fahrwerk, Reifen, Beleuchtung und Karosserie aufzudecken.
Was die HU nicht zuverlässig beurteilt
Eine bestandene HU ist keine Garantie dafür, dass das Auto technisch vollständig gesund ist. Der Prüfer bewertet in erster Linie, ob das Fahrzeug zum Zeitpunkt der Untersuchung verkehrssicher und vorschriftsmäßig ist.
Nicht umfassend untersucht werden beispielsweise:
- innerer Zustand des Motors
- Zustand von Kupplung und Getriebe
- Zahnriemen oder Steuerkette
- Turbolader und Einspritzanlage
- beginnender Öl- oder Kühlmittelverbrauch
- Klimaanlage
- Komfortelektronik
- verbleibende Lebensdauer von Verschleißteilen
- mögliche zukünftige Defekte
Ein Auto kann deshalb die HU bestehen und wenige Wochen später trotzdem einen Motor-, Kupplungs- oder Getriebeschaden haben. Die HU ersetzt weder eine Wartung noch eine ausführliche Fahrzeugdiagnose.
Warum die Prüfstelle trotzdem neutraler ist
Eine eigenständige Prüforganisation verkauft normalerweise keine Ersatzteile und führt keine Reparaturen durch. Der Prüfer hat daher kein unmittelbares wirtschaftliches Interesse daran, möglichst viele Schäden zu finden oder teure Reparaturen zu empfehlen.
Bei der Auswahl der Prüfstelle sollte darauf geachtet werden, dass die Untersuchung direkt bei TÜV, DEKRA, GTÜ oder KÜS stattfindet. Ein „TÜV-Termin“ innerhalb einer Autowerkstatt bietet nicht dieselbe klare Trennung. Zwar bleibt der Prüfingenieur unabhängig, die Werkstatt steht aber bereits daneben und kann sofort Reparaturen anbieten.
Nach einer nicht bestandenen HU muss das Fahrzeug auch nicht in genau dieser Werkstatt repariert werden. Der Halter kann den Prüfbericht mitnehmen, Preise vergleichen und eine beliebige Werkstatt beauftragen.
Gibt es günstigere oder kostenlose Alternativen?
Teilweise bieten Automobilclubs kostenlose oder sehr preiswerte Prüfungen an. Der Umfang ist allerdings begrenzt und regional unterschiedlich.
Mobile Prüfstationen des ADAC kontrollieren je nach Standort beispielsweise Bremsen, Stoßdämpfer, Beleuchtung, Batterie oder Unterboden. In Nordrhein-Westfalen können ADAC-Mitglieder zwei angebotene Prüfungen kostenlos nutzen. Nichtmitglieder erhalten dort teilweise einen kostenlosen Bremsen- oder Lichttest.
Auch in anderen Regionen bietet der ADAC mobile Prüfdienste mit kostenlosen Kontrollen an. Welche Bauteile geprüft werden und ob das Angebot auch für Nichtmitglieder gilt, hängt vom jeweiligen Regionalclub und Prüfstandort ab.
Zusätzlich findet jedes Jahr im Oktober der bundesweite Licht-Sicht-Test in teilnehmenden Kfz-Meisterbetrieben statt. Die Kontrolle der Beleuchtung ist grundsätzlich kostenlos. Ersatzteile sowie umfangreiche Diagnose- und Einstellarbeiten müssen jedoch bezahlt werden.
Solche Aktionen ersetzen keine vollständige HU, können aber helfen, einzelne sicherheitsrelevante Bereiche kostenlos oder sehr günstig überprüfen zu lassen.
Die wirtschaftlich sinnvollste Vorgehensweise
Wenn die HU bald fällig ist
Direkt zu einer eigenständigen Prüfstelle fahren und die reguläre HU durchführen lassen. Die Prüfung kostet zwar etwa 150 bis 170 Euro, wäre aber ohnehin notwendig. Eine zusätzliche Werkstattdurchsicht kann dadurch entfallen.
Wenn die HU noch lange gültig ist
Keine vorgezogene HU nur zur Kontrolle beauftragen. Stattdessen nach einem freiwilligen Sicherheitscheck mit Festpreis suchen oder kostenlose Prüfangebote von Automobilclubs nutzen.
Wenn Motor oder Getriebe Probleme machen
Eine HU hilft hier nur eingeschränkt. Bei Geräuschen, Leistungsverlust, Ölverbrauch, Kühlmittelverlust oder Schaltproblemen ist eine gezielte Diagnose erforderlich. Der Auftrag an die Werkstatt sollte zunächst ausschließlich auf die Fehlersuche begrenzt werden.
Wenn ein Gebrauchtwagen gekauft werden soll
Dann ist ein umfangreicher Gebrauchtwagen- oder Zustandscheck sinnvoller als eine einfache HU. Dabei können zusätzlich Karosserie, mögliche Unfallschäden, Fehlerspeicher und der allgemeine Fahrzeugzustand beurteilt werden. Solche Prüfungen kosten allerdings ebenfalls Geld.
Fazit
Eine Hauptuntersuchung ist ein neutraler, aber nicht kostenloser Fahrzeugcheck. Für einen normalen Pkw müssen 2026 ungefähr 150 bis 170 Euro einschließlich Abgasuntersuchung eingeplant werden. Besteht das Auto nicht, kommen Kosten für die Nachuntersuchung hinzu.
Wirtschaftlich sinnvoll ist die direkte HU vor allem dann, wenn sie ohnehin bald fällig ist. In diesem Fall entstehen die Prüfkosten nicht zusätzlich, und der Fahrzeughalter erhält einen unabhängigen Mängelbericht, mit dem er verschiedene Werkstattangebote vergleichen kann.
Ist die HU noch lange gültig, ist eine zusätzliche Hauptuntersuchung als allgemeiner Fahrzeugcheck meistens zu teuer. Dann sind kostenlose Prüfaktionen, mobile Prüfstationen oder ein begrenzter Sicherheitscheck zum vereinbarten Festpreis die bessere Lösung.
Die wichtigste Erkenntnis lautet daher: Die HU ist neutral und kann vor unnötigen Werkstattreparaturen schützen. Billig ist sie aber nur dann, wenn sie sowieso durchgeführt werden muss.